Advent, Advent?! - Catley Di Anshare

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Advent, Advent?!

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Advent, Advent?!




Kurzgeschichte zum Advent
von Catley Di Ansharé



Advent, Advent, der Nikolaus hängt!


Der erste Tag, das erste Türchen. Und ich freue mich, wie vor 20 Jahren darüber.
Ich sehe aus dem Fenster. Adventsstimmung. Überall um mich herum. Sogar in meinem Social Network werden fleißig Fotos und liebe Texte verteilt. Eine besinnliche, friedvolle Zeit. In den Fenstern, Vorgärten und an den Balkonen glitzern und leuchten wieder weihnachtliche Dekorationen. Milde Lichter, bunte Kugeln an frischen Tannenzweigen, Girlanden und Sterne schmücken Türen.

Doch der Schein trügt. Etwas hat sich eingeschlichen, was die Besinnlichkeit Lügen straft und mir die friedvolle Stimmung vertreibt. Wie weggeblasen. Aber nicht einfach so!

Am Straßenende hat Frau M., wie jedes Jahr, wieder einen kleinen Weihnachtsmann hängend an ihrem Fenster angebracht. Meine Adventsstimmung verpufft mit einem Schlag. Der arme Kleine! Und er ist wirklich klein. Kaum zu glauben, dass er den heiligen Nikolaus darstellen soll. Den stellt man sich doch als stolzen Großvater, mit Rauschebart und liebevollen Augen vor!

Und er ist leider nicht der Einzige. Überall um mich herum hängen in Scharen kleine Weihnachtsmänner aus Fenstern, über Balkongeländern und an Dachschrägen. Eine Armee kleiner, rotgewandter, hoffnungsloser Knirpse. Nichts von einem dicken, großen Mann zu sehen, der lächelnd die Kinder in den Arm nimmt, die erwartungsvoll auf Geschenke warten. Nichts!

Bei Wind, Schnee und Regen hängen sie da, der Witterung ausgesetzt, manche nicht zum ersten Mal. Ausgeblichen, mit kaputten Mützen und sich ablösenden Bärten. Sie hängen schräg an Seilen oder klettern eine schiefe Stoffleiter hinauf zu Fenstern oder hängen lieblos an Regenrinnen. Wer macht denn so was?

So auch der kleine Weihnachtsmann von Frau M. Ergeben hängt er da, nicht fern von einem konzentrisch beleuchteten Weihnachtsstern, dessen Licht von innen nach außen pulsiert und an einen mittels kleiner Leuchtdioden wundervoll strahlt. Eigentlich kann man kaum noch erkennen, wen er darstellt. Moderne Kunst? Oder doch die Leuchtreklame eines Spielladens?

Ich weiß es wirklich nicht.

Der Nikolaus schaut traurig aus seinen kleinen Plastikaugen Er schein mir sagen zu wollen:

Warum habt ihr die Adventsbotschaft vergessen? Und wieso habt ihr mich so erbärmlich hier draußen aufgehängt?

Früher habe ich euch Freude gebracht und heute seid ihr froh, wenn ihr fertig mit schmücken seid! Soll er doch da hängen und erfrieren unter dem lieblosen Fenster. Es ist einfach nichts Besonderes mehr.Besinnlichkeit ist nicht mehr "in". Lautes „Ho! Ho! Ho!“, kreischende Jingle-Bells-Musik tönt aus allen Lautsprechern.

Niemand hat mehr Achtung vor ihm und der Weihnachtszeit. Aber hängen darf er ja noch, der gute Nikolaus. Vorbei die Zeiten, als man sich an den heiligen Bischof Nikolaus erinnerte, der den braven Kindern Süßigkeiten brachte und die Kindern, die nicht brav genug waren, seine Rute fürchteten. Die Rute wurde abgeschafft. Der Weihnachtsmann wurde geschrumpft. Sein Buch mit den Aufzeichnungen, wer artig und wer unartig war, wanderte in die Altbuchhandlung. Weiß den heute noch ein Kind, wer der Nikolaus überhaupt war? Außer, dass am 6. Dezember Mama einen Schoko-Nikolaus in die Schuhe stellt, der dann auch noch ein Glöckchen trägt? Von Glöckchen habe ich jetzt fast schon wieder genug. Bring Geschenke oder wir machen die Musik lauter, damit du uns nicht vergisst- das ist die neue Adventsbotschaft? Die Botschaft des Konsums. Ja, ich weiß es ganz genau. Von allen Fenstern, von allen Balkonen. Und von den Dachschrägen. Keine Hoffnung auf Rettung, nicht einmal durch die Rentiere an seinem Schlitten. Denn die stehen, von innen leuchtend und mit Glitzer bestreut, neben den Gartenzwergen in den Vorgärten, als Symbol dafür, dass Disneyland sich auch Außendienstmitarbeiter zugelegt hat.

Um den „neuen Advent“ zu ertragen, baue ich mir meine eigene Winterlandschaft in meiner Wohnung, dekoriere ganz altmodisch mit Nüssen, Mandarinen und Printen, schmücke meinen Adventskranz mit Zimtrollen und Orangenscheiben. Dann hole ich ein Räuchermännchen aus dem Schrank und lasse ihn ordentlich aus seiner kleinen Pfeife qualmen.

Oh du Fröhliche!




Advent, Advent, ein Lichtlein brennt!


In der kalten und nassen Winterzeit ist, ganz klar, die Adventszeit die schönste Zeit! Überall riecht man diese üblichen Weihnachtsdüfte. Zimt und Mandarinen. Nur noch wenige Wochen, bevor der Weihnachtsmann kommt. Schnell noch etwas schmücken und die Krippe aus dem Keller holen und entstauben. Die Großeltern fahren beim Plätzchenbacken großes Geschütz auf, die Kinder schreiben Wunschzettel an den Weihnachtsmann, in so fern sie noch an ihn glauben.

Weihnachtsfeiern wohin das Auge sieht. Tischreservierungen in Restaurants sind vergebens. Im Verein, auf der Arbeit, im Kindergarten, überall wird geladen zu Glühwein oder besinnlichem Weihnachtsbasteln. Ich und basteln, das kann ja heiter werden! Hier ein Schnitt und da noch einer. Mit etwas Fantasie soll dann das Stück Papier einer Schneeflocke ähneln.
Meins sieht aber eher aus wie eine benutzte Serviette. Na ja, der kleine Niklas freut sich trotzdem darüber, als ich sie ihm in die Hand drücke. Gleich zeigt er sie seiner Mama.

„Das kannst du aber besser!“ rügt sie ihn und er schaut traurig zu mir herüber. Ich grinse. Das nächste Mal schnappe ich mir eine Musterschere und schummle einbisschen.

Alles ist irgendwie schön, kleine Schneeflocken habe ich schon lange nicht mehr auf meiner Zunge schmelzen lassen. Dieses Jahr kommt es mir so vor, wie jedes Jahr. Ich tippe auf schneefreie Weihnachten. Was solls. Dafür war schon Ende November Schnee schippen angesagt! Ich schaue auf den Kalender- noch zwei Wochen bis zum Fest. Und irgendwie denke ich wie jedes Jahr darüber- ich habe ja noch gaaanz viel Zeit!

Wäre da nicht die lästige Sache mit dem Weihnachtsbaum.

Wann wird er aufgestellt, welche Art wird diesmal geholt? Die Nordmann vom letzten Jahr hatte doch recht schnell ihre Nadeln verloren und unser Wohnzimmer in einen Waldboden verwandelt. Fehlte nur noch Moos, aber das hätte man auch aus der Krippe popeln können. Und die Frage, die jedes Mal kam: Wer holt die Tanne, die eigentlich geschmückt so viel Freude bringen soll?

Meine Mutter hatte ich zwei Jahre zuvor aus diesem Vorhaben ausquartiert. Jedes Mal tat mir der arme Verkäufer leid, wenn sie mitging. Er pustete sich schon in die Hände und rieb sich mit dem Handrücken über seine laufende Nase, während meine Mutter in jedem Bäumchen einen halben Weltuntergang sah. Zu klein, zu gefächert, zu wenig Äste, zu groß. Keiner war ihr recht. Nachdem wir damals an fünf verschiedenen Verkaufsständen unser Glück versuchten, hatte ich meinen Entschluss gefasst. Nur noch mit Papa! Der war lange nicht so anspruchsvoll an einen Baum, der höchstens drei Wochen das Wohnzimmer schmücken sollte. Hauptsache billig.

Aber ganz so einfach war das nun auch wieder nicht. Meine Mutter war zwar nicht dabei, doch zu Hause wartete sie ebenso voller Spannung auf unsere Rückkehr. Und natürlich- der Baum war ihr nicht recht! Wie sollte es auch anders sein. Zuerst bekam mein Vater einen Rüffel, dann ging es bei mir weiter. Und da mir die alljährliche Diskussion um einen Weihnachtsbaum so langsam aber richtig auf den Zeiger ging, war natürlich ein Streit vorprogrammiert.

Als nun die Kerzen am Baum angebracht waren, fand meine Mutter wieder eine kahle Stelle und bemängelte das Bäumchen erneut. Mein Vater meinte, es könnten ja nicht überall Äste herauswachsen und meine Mutter warf ihm sogleich einen Blick zu, der nichts Gutes verhieß! Kaum hatte ich einen weiteren Atemzug gemacht, gab es wieder einen Streit. Schmuckkisten wurden missmutig mit dem Fuß durch die Gegend geschoben und bald war auch mir die Lust am Schmücken vergangen. Auch an dem Abend nach dem Weihnachtsfest war die Baumdiskussion noch nicht aus der Welt. Ein weiteres Mal wollte ich mir das nicht anhören und verließ unbemerkt den Ort des Geschehens, wenn auch die Kerzen noch so schön am Baum leuchteten. Das taten sie allerdings auch eine Stunde später noch, als alle sich in ihre Räume verzogen hatten.

Ein Nachbar klingelte Sturm, bis ich das Desaster bemerkte: Der Weihnachtsbaum stand in Flammen!

Eine ordentliche Flamme loderte von der unteren Seite empor, schwarzer Rauch züngelte sich aus dem sich daneben befindlichen Fenster. Jetzt wusste ich auch, warum man Tannenholz niemals in den Kamin legen sollte. Es knackte und die Funken sprühten um die Wette. Auch meine Mutter hatte es bemerkt und kam die Treppe hinunter gerannt, fast auf ihren feinen Schuhen ausrutschend. Schnell war der Brand gelöscht durch einen ordentlichen Schub Wasser aus einem Eimer. Ich stemmte meine Hände in die Hüfte, schnell sagte ich: „Ich bin als erster hochgegangen!“ Meine Mutter betrachtete das kleine Organzadeckchen, das ich von unten um das Bäumchen gewickelt hatte. Es hatte tatsächlich das Feuer vom Übergreifen auf die Gardinen abgehalten. Anerkennend nickte sie mit dem Kopf.

Ich wusste es doch, irgendwas konnte ich auch in der Weihnachtszeit richtig machen.




Advent, Advent, die Mutter rennt!


Wer kennt das nicht? Die unsichtbare Pflicht, die man an Weihnachten in europäischen Ländern erfüllen muss. Ein innerer Drang, eine innere Unruhe. Der Geschenkewahnsinn nimmt in der Adventszeit bis zum letzten Tag seinen Lauf. Der Schlaue fängt schon an, über das Jahr hinweg sich kleine Notizen zu machen, hört hier und da Untertöne oder spielt Mäuschen bei Bekannten und Freunden, natürlich immer mit gezücktem Stift und Papier in der Hand. Diese Personen würde ich zu den geordneten und sozialsten Menschen zählen, die es auf der Welt gibt. Dann gibt es da aber auch noch diese, die sich in den Einkaufsrummel der umliegenden Einkaufshäuser und Spielwarenläden stürzen. Ein glitzerndes Angebot hier, ein lockender Rabatt von 15% dort. Wer kann in der Weihnachtszeit nicht widerstehen und greift beherzt zu, ganz im Sinne und Wohlgefallen der Liebsten natürlich. Ja, ich gebe es zu. Natürlich gönnt man sich auch die eine oder andere Kleinigkeit, wenn denn der Preis stimmt und der Rabatt schon abgezogen ist. Aber im Vordergrund denkt man natürlich an die Wunschliste der anderen.

Eine CD oder ein E-Book, einen Bestseller oder einen tollen Anhänger. Lauter schöne Kleinigkeiten fallen mir jedes Mal ein. Doch muss ich ja eigentlich auch DAS kaufen, was auf meiner Liste steht… Ein Internetradio war es diesmal oder eine nicht zu findende Holzeisenbahn. Fünf Geschäfte habe ich abgeklappert, doch die Holzeisenbahn schien sich aus dem Staub gemacht zu haben, obwohl sie doch so schön im Prospekt angepriesen wurde. Und ich fand natürlich auch keine Vergleichbare. Das ärgerte mich besonders. Die Lok, die so schön verarbeitet war, ganz abzusehen von dem herrlich schimmernden Lack in allen möglichen Farben! Der Kleine würde Augen machen und ich wollte ihm genau diese Überraschung bieten. Blöd nur, dass mir auch die Verkäuferinnen nicht weiterhelfen konnten. Eine drehte das Prospekt mehrmals um, in der Hoffnung ihre Unwissenheit damit zu
verdecken, um hinterher festzustellen, dass genau diese Bahn nicht im Sortiment sei. Im nächsten Laden wurde ich erstmal eine halbe Stunde lang ignoriert, weil denn der alte Mann, mit seinen hundert dämlichen Fragen zu einem Barbie Auto wichtiger war als ich, eine potentielle Käuferin der sündhaft teuren Holzeisenbahn. Aber dort hatte ich auch kein Glück.

Danach schlenderte ich durch einige Passagen, in denen sich die ganzen Geschäfte befanden, wo man für kleines Geld seltsam riechende Klamotten kaufen konnte. Da musste ich natürlich rein, dort gab es immer so schönen Firlefanz und manchmal waren die Klamotten auch recht schön anzusehen, wenn man nicht vorhatte, sie auf Dauer zu tragen. Einwegklamotten eben. Natürlich wurde ich fündig und mein Arm wurde immer schwerer vor lauter Tüten und Einkaufstaschen. Darunter waren natürlich wieder mal welche, dessen Tragegriff so gut verarbeitet war, dass er mir durch seine enorme Größe fast die Blut in meiner Hand abklemmte. Eigentlich keine schlechte Methode für eine schnelle Blutabnahme, dann müsste man das Festsurren des Durchblutungsgurtes wenigstens nicht jedes Mal ertragen! Mit dieser Tragetasche ging das auch herrlich schnell und zuverlässig. Beim Dritten Laden stellte ich dann endlich fest, dass die Bahn nachzubestellen war. Die Freude war groß, doch verging schnell auch wieder, als ich dann zur Anzahlung in meinen Geldbeutel schaute. Aber fünfzig Euro waren jetzt auch nicht gerade wenig. Somit schlurfte ich mit letzter Kraft den ganzen Weg wieder zurück, denn dort befand sich mein heißgeliebter, und in den letzten Tagen auch alltäglicher Begleiter- der liebe Geldautomat. Er lächelte mir schon entgegegen, als ich um die Ecke bog. Doch war sein begehrenswerter Ausgabeschlitz von einer Menschenschlage verdeckt, dass ich nicht mal abschätzen konnte, wie viele Stunden ich mir jetzt die Beine in den Bauch stehen sollte. Meine Lust verging und ich verfluchte mittlerweile diese süße Eisenbahn. Warum musste sie so unerreichbar für mich sein? Heute war nicht mein Tag, aber das dachte ich jedes Mal, wenn ich genau diese eine Sache wollte. Koste es, was es wolle. Doch für heute hatte ich genug und mein Arm meldete sich zurück. So musste sich ein Packesel fühlen. Auf wackeligen Füßen ging es über ein Kopfsteinpflaster zurück zum Auto.

Und was sehe ich da? Jemand parkte ganz gelassen hinter mir. Noch nicht mal einen Zettel hatte er hinterlassen, oder war es vielleicht sogar auch eine sie? Egal, Kofferraum auf und erst einmal die Freiheit spüren. Und ab ins warme Auto. Einbisschen Radio hören, habe ich schon lange nicht mehr gemacht. Die CD konnte ich auch nicht mehr hören. Die Uhr lief und mein Parkticket verlängerte sich auch nicht wirklich. Mist, abgelaufen. Und gerade hier standen sie Spalier, die bösen Parkwächter. Auweia, das letzte Mal war mir auch so ein netter Herr mit hochrotem Kopf begegnet, als ich Verspätung hatte und auch wirklich einen guten Grund hatte. Nämlich die Kassiererin, die sich ihre Ruhe auch bei zwanzig wartenden Kunden an der Kasse nicht nehmen ließ. Und da tauchte er auch schon auf. Anscheinend mochte er mein Auto ganz besonders. „Sie schon wieder“ brachte er hinaus. Ich lächelte nur blöd und zeigte auf das Auto, das hinter mir stand. „Da kommen sie doch locker raus“, entgegnete er mir. Ich dachte, er mache einen Scherz doch er ging tatsächlich um mein Auto herum, um eine Ausparkmöglichkeit zu finden. Jetzt verging es mir, hatte er das eben wirklich ernst gemeint? Das sollte wohl ein schlechter Scherz sein und damit auch noch der dümmste, den ich seit langem gehört hatte. Er ging schließlich um das andere Auto herum und begutachtete es. Anscheinend auch ein alter Bekannter. Er notierte gleich ein paar Sachen und guckte auf die
Uhr. Ich lächelte wieder, damit er mich nicht zu einem unmöglichen Ausparkmannöver überredete.

Da schaute eine Person aus einem Fester und stieg aus. Ich traute meinen Augen nicht. Zusammen schoben sie jetzt tatsächlich das Auto ein Stück nach vorne, um mich vorbeifahren zu lassen. Hach wie nett, dachte ich und legte den Rückwärtsgang ein. Es gibt doch noch hilfsbereite Menschen in der Weihnachtszeit. Ich schaute auf meinen Zettel, der aus meiner Tasche lugte. Morgen ging es weiter, denn ich hatte nicht einmal die Hälfte der Geschenke gekauft. Seufzend rieb ich meinen Arm, der von den Einkaufstaschen immer noch etwas zerknittert aussah. Aber was tut man nicht alles für seine Lieben.

Happy Last Minute Shopping!

 
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