Vampire - Catley Di Anshare

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Vampire auf der Leinwand


Catley Di Ansharé



Von irgendwoher schrie eine Frau und jemand zerrte an ihrer Jacke.   „Komm schnell weg hier!“ sagte Melissa in einem aufgeregten Ton.  Doch Kathi konnte sich nicht bewegen, zu groß war das Schockmoment. Wie  angewurzelt blieb sie auf der Stelle stehen. Passierte das gerade  wirklich oder befand sie sich in einem Alptraum? Die Schwingtür der  Kinobar ratterte laut, unentwegt rannten Leute aus ihr heraus.  
„Wo kommen die denn alle her?“ wollte Kathi wissen, doch Melissa gab ihr  keine Antwort und zerrte weiter an ihrem Arm. „Wenn du nicht gleich mitkommst, flippe ich aus!“ schrie sie. Doch  Kathi blieb immer noch ruhig. Sie wurde neugierig und ging hinter die  Bar. Wieder ging die Tür auf und eine hysterisch kreischende Frau  stürmte heraus.
„Vampire!“ schrie sie, verlor dabei ihre Pumps und rannte Richtung  Ausgang. Geschockt blieb Melissa stehen. „Vampire?!“ wiederholte sie. „Das kann doch gar nicht wahr sein!“ und sie schluckte hörbar. Kathi  spähte durch ein Guckloch in der Tür. Nichts als Unordnung war zu  sehen. Stühle lagen herum, Essen lag auf dem ganzen Boden verstreut.  „Lass uns rein gehen!“ sagte sie plötzlich. Melissa guckte sie  streng an und hob eine Augenbraue. Das machte sie zu jeder Gelegenheit,  die ihr nicht geheuer vorkam.  
„Spinnst du?“ Doch für Überlegungen war es zu spät. Kathi zog sie an  ihrer grünen Messenger Tasche durch die Tür. Wieder kamen ihnen  schreiende Menschen entgegen. Kathi musste ausweichen. Melissa wich  gerade noch rechtzeitig zurück. Sie wollte die panischen Menschen  beruhigen und versuchte eine Auskunft zu bekommen, doch es war  aussichtslos. Ein Mann war so in Rage, dass er einen umgefallenen Stuhl  übersah, darüber stolperte und mit einem krachenden Geräusch bäuchlings  über den Küchenboden rutschte. Melissa und Kathi sahen ihm dabei zu, wie er sich aufrappelte, dabei noch ein paar Schüsseln aus einem Regal  riss und strauchelnd den Weg zur Tür einschlug. „Wollen wir weiter gehen?“ fragte Kathi vorsichtig. Melissa schaute  mit einem fragenden Blick zu  ihr herüber.  „Jetzt wird es doch erst richtig spannend!“ lachte Kathi. „Hast du zu viele Detektivgeschichten gelesen? Ich habe richtig Angst!“
Doch Kathi drehte sich schon wieder um. Sie wollte unbedingt  herausfinden, was dort im Kino passierte. Wieder Schreie. Kathi schob  vorsichtig umgefallene Holzkisten zu Seite und gab Melissa eine Kelle,  die sie neben den anderen Küchenutensilien auf dem Boden gefunden  hatte. Kathi selber schnappte sich eine gusseiserne Pfanne. Bewaffnet  und doch mit Vorsicht traten sie aus dem Hintereingang der Küche hinaus  in einen langen Flur, von dem es in die Kinosäle ging. An Kino Nummer 2  waren sie gerade vorbeigegangen, als ein Mädchen ein Stück weiter aus Kino 3 stürzte. Sichtlich außer Atem rannte sie an den beiden verdutzten Freundinnen  vorbei, ohne sie auch nur anzusehen. Melissa versuchte sie aufzuhalten,  denn sie hatte es noch nicht aufgegeben, nach Informationen zu suchen.  Doch das Mädchen stammelte auch nur etwas von Vampiren. Es drehte sich  mehrmals zum Kinosaal um und rannte schließlich weiter. Ein leises  Rattern war zu vernehmen.  
„Der Film läuft noch!“ stellte Kathi fest. Sie schlichen sich zu der  schweren Kinotür, mit ihren selbsternannten Waffen im Anschlag, und  öffneten sie. Eine mit Teppich belegte Treppe führte nach oben in den  Saal. Und dort zeigte sich eine Szenerie des Schreckens: Menschen saßen  mit schräg gelegten Köpfen in ihren Sitzen, ganze Reihen waren leer.  Eine Kreatur jagte eine Frau durch den Saal. Sie wimmerte und fiel in  der Eile über ihre Füße. Melissa hörte ein dumpfes Rumpeln neben sich  und sah, dass Kathi die große Pfanne neben sich fallen gelassen hatte.  Sie schaute sie an. Ihr Gesicht war verzogen, der Mut hatte sie nun  doch verlassen.  

Ein Mann rannte mir einer großen Kamera umher. Fragend schauten sie  sich an. Doch bevor Kathi etwas sagen konnte, packte sie eine große Hand von hinten, sodass sie sich nicht mehr umdrehen konnte. Eine  andere ergriff ihre Haare. Melissa schrie, sichtlich erschreckt, auf  und hielt sich dann die Hand vor den Mund, denn sie kamen plötzlich von  überall her.  

Eine der dunklen Kreaturen drehte sich um. Er nahm Melissa sofort ins  Visier. Sein Opfer glitt ihm dabei leblos aus den Armen und rutschte zu  Boden. Die Haare des blonden Opfers waren blutverklebt, ihr  Gesichtsausdruck war starr, ihre Augen waren geöffnet. Schweiß tropfte  auf Kathis Gesicht. Sie kniff ein Auge zu. Jetzt war es zu spät. Ihr  letztes Stündlein hatte geschlagen. Der Vampir ergriff ihren Hals.  Seine Fingernägel bohrten sich in ihr Gesicht. Grob packte er wieder  ihre Haare. Sein Mund kam immer näher. Wenigstens riecht er gut, dachte  Kathi noch schnell. Schmatzgeräusche kamen von allen Seiten. Ihr Kopf  wurde grob zu Seite gedreht und sie sah, dass Blut über Melissas  Gesicht ronn. Kathi fing an zu schluchzen. Der Mund des Vampirs war nun  sehr nah an ihrem Ohr. Sie hörte seinen Atem, der durch das Gerangel  stoßweise ging. Plötzlich flüsterte er etwas. Kathi unterbrach ihr  inneres Stoßgebet, doch sie bekam nur das letzte Wort mit. Plötzlich  war es still. Waren alle fertig mit trinken? Leise fragte sie nochmal  nach und tatsächlich wiederholte er es: „Spiel bitte mit!“
Mitspielen? Moment mal, was ging denn hier ab? Kathy riss die Augen  auf. Alles nur ein Spiel? Ihr Herz pochte fast hörbar. Sie konnte sich  vor Aufregung nicht bewegen. Plötzlich kam der Mann mit der Kamera zu  ihnen hinüber. Er nestelte an etwas herum. Dann fokussierte er  Kathi  und Melissa, die im Hintergrund lag und ging mit seiner Linse ganz nah  heran. Kathi verstand und verzerrte ihr Gesicht. Der Vampir machte sich  wieder an ihrem Hals zu schaffen. Eine warme Flüssigkeit lief ihr über  das Gesicht, als der Vampir sich wieder aufrichtete, ein fieses Lachen  von sich gab und dabei in die Kamera schaute.

 
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